Wenn Kinder Seifenblasen pusten, strahlen ihre Augen. Sie beobachten fasziniert, wie die schillernden Blasen durch die Luft schweben, laufen ihnen hinterher und versuchen, sie wieder einzufangen. Was auf den ersten Blick wie ein einfaches Sommerspiel aussieht, ist aus entwicklungsphysiologischer Sicht viel mehr.
Denn beim Pusten einer Seifenblase arbeitet der Körper auf erstaunlich komplexe Weise zusammen. Atmung, Mundmuskulatur, Körperhaltung, Koordination und Konzentration greifen ineinander. Ganz nebenbei sammelt das Gehirn wertvolle Erfahrungen, die für die weitere Entwicklung wichtig sind.
Genau deshalb nutzen auch Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie andere therapeutische Berufsgruppen spielerische Atem- und Pusteübungen immer wieder in der Behandlung.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum Seifenblasen weit mehr sind als eine schöne Sommerbeschäftigung und wie sie die Entwicklung Ihres Kindes auf spielerische Weise unterstützen können.
Warum Pusten für Kinder gar nicht so einfach ist
Für Erwachsene wirkt Pusten selbstverständlich. Für Kinder ist es jedoch eine anspruchsvolle motorische Aufgabe.
Damit überhaupt eine Seifenblase entstehen kann, müssen viele Abläufe gleichzeitig funktionieren.
Das Kind muss:
- tief einatmen,
- die Lippen richtig schließen,
- die Wangen kontrollieren,
- den Luftstrom dosieren,
- die richtige Stärke finden,
- den Oberkörper stabil halten.
Ist der Luftstrom zu kräftig, platzt die Blase sofort.
Ist er zu schwach, entsteht gar keine.
Das Gehirn lernt dabei ständig dazu und verbessert die Bewegung mit jeder Wiederholung.
Atmung – viel mehr als nur Luft holen
Unsere Atmung begleitet uns rund um die Uhr. Meist schenken wir ihr kaum Aufmerksamkeit.
Beim Seifenblasenpusten wird sie plötzlich bewusst gesteuert.
Kinder lernen dabei:
- ruhiger auszuatmen,
- länger auszuatmen,
- den Atem besser zu kontrollieren,
- Ein- und Ausatmung zu koordinieren.
Diese bewusste Ausatmung aktiviert gleichzeitig das parasympathische Nervensystem – also den Teil unseres Nervensystems, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist.
Deshalb wirken Pustespiele auf viele Kinder beruhigend.
Die Lippen leisten Schwerstarbeit
Damit eine schöne Seifenblase entstehen kann, müssen die Lippen ganz gezielt arbeiten.
Dabei werden zahlreiche kleine Muskeln aktiviert.
Diese Muskulatur spielt unter anderem eine wichtige Rolle für:
- das Trinken,
- das Kauen,
- das Schlucken,
- die Aussprache,
- die Gesichtsmimik.
Viele Eltern denken bei Seifenblasen nur an die Atmung.
Tatsächlich trainieren Kinder dabei gleichzeitig ihre Mundmotorik.
Ohne Körperspannung funktioniert das Pusten kaum
Viele sind überrascht:
Auch der Rumpf arbeitet mit.
Damit der Atem kontrolliert abgegeben werden kann, benötigt der Körper eine stabile Ausgangsposition.
Dabei unterstützen:
- Bauchmuskulatur,
- Rückenmuskulatur,
- Beckenboden,
- Zwerchfell.
Diese Muskelgruppen arbeiten als Team.
Kinder trainieren dadurch unbewusst ihre Haltung und ihre Rumpfstabilität.
Konzentration trifft Bewegung
Seifenblasen verlangen Aufmerksamkeit.
Kinder beobachten genau:
Wie groß wird die Blase?
Wie stark muss ich pusten?
Wohin fliegt sie?
Wie kann ich sie wieder fangen?
Dabei wechseln sie ständig zwischen ruhigem Stehen, Gehen, Rennen und erneutem Pusten.
Das Gehirn verarbeitet gleichzeitig viele Sinneseindrücke.
Genau diese Kombination unterstützt die Entwicklung von Aufmerksamkeit und Bewegungsplanung.
Augen und Hände arbeiten zusammen
Kaum schwebt eine Seifenblase durch die Luft, beginnt die nächste Herausforderung.
Kinder verfolgen sie mit den Augen.
Sie schätzen Geschwindigkeit und Flugbahn ein.
Anschließend versuchen sie, die Blase zu erreichen oder vorsichtig platzen zu lassen.
Dabei werden wichtige Fähigkeiten gefördert:
- Hand-Auge-Koordination
- Reaktionsfähigkeit
- Gleichgewicht
- räumliche Orientierung
- Bewegungsplanung
- Auch das Gleichgewicht wird trainiert
- Beim Hinterherlaufen entstehen ständig neue Bewegungsaufgaben.
Kinder:
drehen sich,
bleiben plötzlich stehen,
laufen rückwärts,
strecken sich,
gehen in die Hocke,
verändern ihre Richtung.
All diese kleinen Anpassungen trainieren das Gleichgewichtssystem.
Und das Beste:
Kinder bemerken gar nicht, dass sie gerade üben.
Sie spielen einfach.
Spielerisches Lernen ist nachhaltiges Lernen
Kinder lernen am besten über Freude.
Wenn eine Aufgabe Spaß macht, wird sie häufiger wiederholt.
Genau dadurch entstehen neue Verknüpfungen im Gehirn.
Motorisches Lernen funktioniert nicht durch Perfektion.
Es entsteht durch:
Ausprobieren,
Wiederholen,
Anpassen,
Erfolgserlebnisse.
Seifenblasen erfüllen all diese Voraussetzungen.
Warum Seifenblasen auch schüchternen Kindern helfen können
Nicht jedes Kind möchte sofort sprechen oder aktiv mitmachen.
Pustespiele bieten einen sanften Einstieg.
Kinder erleben Erfolg, ohne bewertet zu werden.
Sie konzentrieren sich auf das Spiel und nicht auf ihre Leistung.
Dadurch entstehen häufig:
- mehr Selbstvertrauen,
- mehr Mut,
mehr Freude an Bewegung, - bessere Körperwahrnehmung.
- Ideen für zu Hause
- Sie brauchen dafür nicht viel.
Schon wenige Minuten reichen aus.
Variieren Sie das Spiel:
-kleine und große Blasen pusten
-möglichst langsam pusten
-besonders lange pusten
-Blasen gemeinsam beobachten
-Blasen fangen
-Blasen mit verschiedenen Körperpositionen pusten (Sitzen, Hocken oder Stehen)

Wichtig ist:
Nicht das Ergebnis zählt.
Der Spaß an der Bewegung steht im Mittelpunkt.
Unser physiotherapeutischer Blick
In der Physiotherapie wissen wir, dass Entwicklung nicht nur durch gezielte Übungen entsteht.
Kinder lernen vor allem dann, wenn Bewegung spielerisch geschieht.
Seifenblasen verbinden viele Entwicklungsbereiche gleichzeitig:
-Atmung
-Körperwahrnehmung
-Mundmotorik
-Koordination
-Gleichgewicht
-Konzentration
-Bewegungsplanung
Genau deshalb können scheinbar kleine Alltagsspiele einen großen Beitrag zur gesunden Entwicklung leisten.
Jedes Kind entwickelt sich dabei in seinem eigenen Tempo.
Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklung zu begleiten, zu unterstützen und den Kindern vielfältige Bewegungserfahrungen zu ermöglichen.
Seifenblasen sind weit mehr als ein schönes Sommerspiel.
Mit jedem Pusten trainieren Kinder ihre Atmung, stärken ihre Mundmotorik, verbessern ihre Körperwahrnehmung und sammeln wertvolle Bewegungserfahrungen.
Ganz nebenbei fördern sie Konzentration, Gleichgewicht und Koordination – und das mit jeder Menge Freude.
Manchmal sind es gerade die einfachsten Spiele, die den größten Beitrag zur Entwicklung leisten.
Häufige Fragen (FAQ)
Ab welchem Alter können Kinder Seifenblasen pusten?
Viele Kinder beginnen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr, gezielt zu pusten. Jedes Kind entwickelt diese Fähigkeit jedoch in seinem eigenen Tempo.
Fördert Seifenblasenpusten die Sprachentwicklung?
Eine gut entwickelte Mundmotorik und eine kontrollierte Atmung spielen auch für das Sprechen eine wichtige Rolle. Seifenblasen ersetzen keine Sprachtherapie, können diese Fähigkeiten aber spielerisch unterstützen.
Wie lange sollten Kinder Seifenblasen spielen?
Schon fünf bis zehn Minuten reichen aus. Entscheidend ist der Spaß und nicht die Dauer.
Wann ist physiotherapeutischer Rat sinnvoll?
Wenn Eltern Fragen zur motorischen Entwicklung, Körperwahrnehmung oder Bewegungsentwicklung ihres Kindes haben oder ihnen Auffälligkeiten auffallen, kann eine physiotherapeutische Abklärung sinnvoll sein.
Mehr Infos zu unserer Praxisgemeinschaft finden Sie unter: www.praxis-impul-graz.at

