Wenn Stillsitzen schwerfällt, die Konzentration nachlässt oder Bewegungen manchmal unkoordiniert wirken, steckt oft mehr dahinter als bloße Unruhe. Kinder mit ADHS oder ADS erleben im Alltag besondere Herausforderungen. Was dabei häufig unterschätzt wird: Auch Bewegung, Körperwahrnehmung und motorische Fähigkeiten können eine wichtige Rolle spielen.
In der Kinderphysiotherapie, Teil der Praxisgemeinschaft Praxis Impuls Graz, stehen die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes im Mittelpunkt. Mit gezielten, kindgerechten Therapieansätzen möchten wir Ihr Kind dabei unterstützen, seine Fähigkeiten zu entdecken, weiterzuentwickeln und mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
ADHS und ADS: Wenn der Alltag zur Herausforderung wird
Kinder entdecken ihre Welt durch Bewegung. Sie laufen, springen, klettern, greifen, balancieren und probieren ständig Neues aus. Doch nicht jedes Kind kann Bewegungsabläufe, Aufmerksamkeit und Körperwahrnehmung gleich gut miteinander verbinden.
Bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) können beispielsweise Unaufmerksamkeit, Impulsivität und ausgeprägter Bewegungsdrang auftreten. Bei ADS wird häufig die vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsform von ADHS bezeichnet, bei der Hyperaktivität weniger deutlich im Vordergrund steht.
Für betroffene Kinder kann sich das in ganz unterschiedlichen Situationen zeigen:
– Schwierigkeiten, bei einer Aufgabe zu bleiben
– Probleme mit der Koordination oder dem Gleichgewicht
– Herausforderungen beim Planen und Ausführen von Bewegungsabläufen
– Unsicherheit bei sportlichen Aktivitäten oder beim Spielen mit anderen Kindern
– Frustration, wenn etwas trotz großer Anstrengung nicht gelingt
Wichtig ist dabei: Nicht jedes Kind mit ADHS oder ADS hat motorische Schwierigkeiten. Wenn diese jedoch auftreten, lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Warum Bewegung mehr bewirken kann, als Sie vielleicht denken
Bewegung bedeutet für Kinder weit mehr als körperliche Aktivität. Beim Balancieren, Hüpfen oder gezielten Greifen verarbeitet das Gehirn unterschiedliche Sinneseindrücke. Das Kind muss Bewegungen planen, den eigenen Körper wahrnehmen und auf Veränderungen reagieren.
Ein besonders spannender Aspekt: Körperwahrnehmung und Koordination lassen sich spielerisch gemeinsam trainieren.
Beim Balancieren auf einer Linie muss ein Kind beispielsweise seine Körperposition einschätzen und kleine Bewegungen laufend anpassen. Bei einem Ballspiel sind wiederum Hand-Auge-Koordination, Reaktionsfähigkeit und das richtige Timing gefragt.
Solche Aktivitäten können dazu beitragen, motorische Fähigkeiten zu verbessern und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Bewegung kann außerdem die Aufmerksamkeit und das Wohlbefinden unterstützen. Die Wirkung ist individuell und ersetzt keine umfassende ADHS-Behandlung.
Entscheidend ist daher nicht, möglichst viele Übungen durchzuführen. Viel wichtiger ist, passende Aufgaben auszuwählen, die Ihr Kind weder überfordern noch unterfordern.

Kinderphysiotherapie: Individuell statt nach Schema F
Jedes Kind bringt seine eigenen Stärken, Interessen und Herausforderungen mit. Deshalb gibt es auch nicht die eine Übung, die für alle Kinder mit ADHS oder ADS gleichermaßen geeignet ist.
In der Kinderphysiotherapie von Gudrun Cüppers betrachten wir die individuellen motorischen Fähigkeiten und die Bedürfnisse Ihres Kindes. Je nach Ausgangssituation können unterschiedliche Schwerpunkte sinnvoll sein:
1. Koordination und Gleichgewicht fördern
Durch altersgerechte Bewegungsaufgaben kann Ihr Kind lernen, Bewegungen bewusster zu steuern und das Gleichgewicht besser einzusetzen. Das kann beispielsweise beim Spielen, beim Turnen oder auf dem Spielplatz hilfreich sein.
2. Die Körperwahrnehmung stärken
Manche Kinder profitieren davon, ihren Körper und seine Position im Raum bewusster wahrzunehmen. Spielerische Aufgaben mit unterschiedlichen Bewegungsrichtungen, Untergründen oder Körperpositionen können dabei unterstützen.
3. Bewegungsabläufe besser planen
Hindernisparcours, Bewegungsfolgen oder kleine Aufgaben mit mehreren Schritten bieten Möglichkeiten, Bewegungen zu planen und nacheinander auszuführen. Die Anforderungen werden dabei an die Fähigkeiten des Kindes angepasst.
4. Selbstvertrauen durch Erfolgserlebnisse aufbauen
Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist es, die individuellen Stärken eines Kindes zu erkennen. Wenn eine Aufgabe gelingt, kann das Mut machen, die eigene Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen und die Freude an Bewegung fördern.
5. Freude an Bewegung erhalten
Therapie muss für Kinder nicht wie eine zusätzliche Pflichtaufgabe wirken. Spielerische Übungen und abwechslungsreiche Bewegungsangebote können dazu beitragen, dass Kinder gerne mitmachen und neue Fähigkeiten ausprobieren.
Was unsere Kinderphysiotherapie besonders macht
Ein Kind mit ADHS oder ADS braucht nicht einfach mehr Aufforderungen, sich zu konzentrieren. Es braucht vor allem Verständnis für seine individuelle Situation und eine Umgebung, in der es sich entwickeln kann.
Genau deshalb ist ein kindgerechter Zugang so wichtig.
Bei uns stehen die persönlichen Voraussetzungen Ihres Kindes im Mittelpunkt. Die therapeutischen Aktivitäten sollen altersgerecht, nachvollziehbar und an den jeweiligen Entwicklungsstand angepasst sein.

Warum kann das für Ihr Kind ein Vorteil sein?
– Individuelle Begleitung: Die Therapie orientiert sich an den Fähigkeiten und Bedürfnissen Ihres Kindes.
– Spielerisches Lernen: Bewegungsaufgaben ermöglichen es, Fähigkeiten auf eine kindgerechte Weise zu erproben.
– Stärken erkennen: Nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch vorhandene Fähigkeiten werden berücksichtigt.
– Alltagsorientierung: Ziel ist es, Fähigkeiten zu fördern, die für alltägliche Situationen relevant sein können.
– Einfühlsame Unterstützung: Ihr Kind soll sich ernst genommen fühlen und in seinem eigenen Tempo lernen dürfen.
Dabei ist uns wichtig, realistische Ziele zu verfolgen. Fortschritte müssen nicht immer groß oder sofort sichtbar sein. Manchmal zeigt sich eine Entwicklung darin, dass eine Bewegung sicherer gelingt, eine neue Aufgabe ausprobiert wird oder Ihr Kind mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten gewinnt.
Was können Sie als Elternteil zu Hause tun?
Auch im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, Bewegung auf natürliche Weise einzubauen. Sie müssen dafür weder ein umfangreiches Trainingsprogramm vorbereiten noch jeden Tag neue Übungen erfinden.
Hier sind drei einfache Anregungen:
Tipp 1: Machen Sie aus Bewegung ein kleines Abenteuer.
Legen Sie beispielsweise eine Linie aus Klebeband auf den Boden und lassen Sie Ihr Kind darüber balancieren. Anschließend können Sie gemeinsam ausprobieren, ob es auch seitwärts oder mit kleinen Schritten funktioniert. Achten Sie auf eine sichere Umgebung und passen Sie die Aufgabe an das Können Ihres Kindes an.
Tipp 2: Verbinden Sie Bewegung mit kleinen Aufgaben.
Lassen Sie Ihr Kind beispielsweise einen Ball zu einem bestimmten Ziel rollen oder Gegenstände in verschiedenen Farben einsammeln. So können Bewegung und einfache Aufgaben miteinander kombiniert werden, ohne dass daraus ein Leistungstest wird.
Tipp 3: Achten Sie auf Pausen und individuelle Bedürfnisse.
Nicht jedes Kind kann sich zu jedem Zeitpunkt gleich gut auf eine Aktivität einlassen. Kurze Bewegungseinheiten, klare Anweisungen und ausreichend Pausen können hilfreich sein. Beobachten Sie, was Ihrem Kind guttut, und vermeiden Sie unnötigen Leistungsdruck.
Und noch etwas: Vergleichen Sie Ihr Kind möglichst nicht mit anderen Kindern. Entwicklung verläuft individuell. Entscheidend ist, welche Fortschritte Ihr Kind selbst macht.
Wann ist Kinderphysiotherapie sinnvoll?
Wenn Sie beobachten, dass Ihr Kind wiederholt Schwierigkeiten mit Koordination, Gleichgewicht, Bewegungsplanung oder bestimmten alltäglichen Bewegungsabläufen hat, kann eine physiotherapeutische Abklärung sinnvoll sein.
Auch wenn Ihr Kind bei Bewegungsaktivitäten häufig unsicher ist oder bestimmte Aufgaben aus Sorge vor dem Scheitern vermeidet, lohnt es sich, die Situation genauer anzusehen.
Die Kinderphysiotherapie kann motorische Herausforderungen gezielt aufgreifen. Sie behandelt jedoch nicht automatisch die Aufmerksamkeitsproblematik selbst und ersetzt weder eine ärztliche Abklärung noch andere gegebenenfalls erforderliche Unterstützungsangebote.
Eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern, behandelnden Fachpersonen und dem Kind kann helfen, passende Ziele zu entwickeln und die Unterstützung im Alltag sinnvoll abzustimmen.
Gemeinsam die Stärken Ihres Kindes entdecken
Ihr Kind muss nicht alles sofort können. Es darf ausprobieren, Fehler machen, Neues lernen und seinen eigenen Weg finden.
Mit einer individuellen, einfühlsamen und spielerischen Begleitung können wir dazu beitragen, motorische Fähigkeiten zu fördern und positive Bewegungserfahrungen zu ermöglichen. Denn manchmal beginnt ein wichtiger Entwicklungsschritt mit etwas ganz Einfachem: einer Aufgabe, die endlich gelingt, einem neuen Bewegungsablauf oder dem Mut, etwas noch einmal zu versuchen.
Kinderphysiotherapie Klein, Mittel und Groß – Teil der Praxisgemeinschaft Praxis Impuls Graz
Sie möchten wissen, ob Kinderphysiotherapie für Ihr Kind sinnvoll sein könnte?
Wir informieren Sie gerne über unsere therapeutischen Möglichkeiten und darüber, wie eine individuelle Begleitung aussehen kann.
Kinderphysiotherapie für Klein, Mittel und Groß
Teil der Praxisgemeinschaft Praxis Impuls Graz
Maiffredygasse 4
8010 Graz
Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Gemeinsam können wir besprechen, welche Unterstützung zu den Bedürfnissen Ihres Kindes passen könnte.
