Wenn im Herbst die ersten Pfützen auf den Wegen stehen, das Laub unter den Füßen raschelt und die Temperaturen sinken, verändert sich nicht nur unsere Kleidung. Auch unsere Füße bekommen plötzlich andere Aufgaben.
Kinder schlüpfen in Gummistiefel, Erwachsene greifen zu festeren Schuhen und beim Spaziergang oder Wandern kommen vielleicht sogar die Wanderschuhe zum Einsatz.
Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, was diese unterschiedlichen Schuhe eigentlich mit unserer Bewegung machen?
Denn Schuhe sind nicht einfach nur Schutz vor Nässe und Kälte. Sie verändern, wie wir auftreten, abrollen, das Gleichgewicht halten und den Untergrund wahrnehmen.
Und das kann bei Kindern ganz anders aussehen als bei Erwachsenen.
Gummistiefel: praktisch, aber anders als Barfußlaufen
Für Kinder gehören Gummistiefel zum Herbst einfach dazu. Pfützen, Matsch und nasses Gras machen damit gleich doppelt so viel Spaß.
Gleichzeitig unterscheiden sich Gummistiefel deutlich von einem leichten Alltagsschuh.
Sie sind häufig:
– relativ steif
– weniger flexibel
– höher geschnitten
– schwerer als leichte Schuhe
– weniger anpassungsfähig an den Untergrund
Dadurch kann sich das natürliche Abrollen des Fußes verändern.
Ein Kind muss beispielsweise beim Gehen mit einem steiferen Schuh andere Bewegungen einsetzen als barfuß oder mit einem flexiblen Schuh.
Das bedeutet nicht, dass Gummistiefel schlecht sind. Im Herbst erfüllen sie eine wichtige Funktion. Entscheidend ist vielmehr, wie lange und in welchen Situationen sie getragen werden.
Beim Spielen in Pfützen sind sie ideal. Für stundenlanges Gehen oder sportliche Aktivitäten sind andere Schuhe häufig besser geeignet.
Warum Kinder besonders interessant sind
Kinder lernen Bewegung nicht nur durch Erklärungen. Sie lernen sie vor allem durch Bewegung selbst.
Laufen, springen, klettern, balancieren und über unterschiedliche Untergründe gehen liefern dem Körper ständig neue Informationen.
Der Fuß spielt dabei eine wichtige Rolle.
Über Muskeln, Gelenke und Rezeptoren erhält das Nervensystem Informationen darüber:
Wo befindet sich mein Fuß? Wie belastet ist er? Wie verändert sich der Untergrund? Muss ich mein Gleichgewicht anpassen?
Gerade unterschiedliche Untergründe können deshalb spannende Bewegungsreize liefern.
Herbstlaub, Gras, Erde, kleine Unebenheiten oder ein Waldweg fordern die Koordination anders als ein glatter Gehsteig.
Das bedeutet: Ein Herbstspaziergang kann ganz nebenbei zu einer kleinen Bewegungsschulung werden.
Natürlich sollte dabei immer die Sicherheit im Vordergrund stehen.
Und was passiert bei Erwachsenen?
Auch bei Erwachsenen verändert das Schuhwerk die Bewegung.
Vielleicht kennen Sie den Unterschied zwischen einem leichten Alltagsschuh und einem festen Wanderschuh.
Der Wanderschuh bietet häufig mehr Halt und Schutz. Gleichzeitig ist er aber oft schwerer und weniger flexibel.
Das kann beim Wandern sinnvoll sein, bedeutet aber auch: Der Fuß bekommt weniger Bewegungsfreiheit und der Untergrund wird anders wahrgenommen.
Besonders auf unebenem Gelände müssen deshalb Fuß, Sprunggelenk, Knie, Hüfte und Rumpf gut zusammenspielen.
Ein stabiler Schuh allein ersetzt kein gutes Gleichgewicht.

Der Schuh verändert nicht nur den Fuß
Unsere Bewegung funktioniert als Kette.
Der Fuß steht mit dem Sprunggelenk in Verbindung, dieses mit dem Knie, dem Knie mit der Hüfte und die Hüfte wiederum mit Becken und Wirbelsäule.
Verändert sich die Art, wie wir auftreten oder abrollen, kann sich deshalb auch die Bewegung darüber verändern.
Das bedeutet nicht, dass ein bestimmter Schuh automatisch Schmerzen verursacht.
Aber wenn bereits Einschränkungen bestehen, können Unterschiede beim Schuhwerk stärker auffallen.
Zum Beispiel wenn:
– das Sprunggelenk weniger beweglich ist
– die Fußmuskulatur schwächer ist
– das Gleichgewicht unsicherer geworden ist
– nach einer Verletzung noch Unsicherheit besteht
– Knie oder Hüfte belastungsempfindlich sind
– das Gangbild bereits verändert ist
Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die gesamte Bewegung und nicht nur auf den Schuh.
Warum das Gefühl für den Untergrund wichtig ist
Beim Gehen erhält unser Körper ständig Informationen vom Boden.
Ist der Untergrund fest oder weich? Gerade oder uneben? Rutschig oder sicher?
Diese Informationen helfen uns dabei, unsere Bewegung anzupassen.
Auf einem trockenen, ebenen Gehsteig können wir fast automatisch gehen.
Auf nassem Laub sieht die Situation anders aus.
Wir verändern möglicherweise:
– unsere Schrittweite
– unser Tempo
– die Belastung des Fußes
– die Körperspannung
– unsere Aufmerksamkeit
Gerade ältere Menschen reagieren häufig intuitiv mit vorsichtigerem und langsamerem Gehen.
Das kann sinnvoll sein. Gleichzeitig kann zunehmende Unsicherheit dazu führen, dass Bewegungen immer vorsichtiger werden und man bestimmte Wege oder Aktivitäten irgendwann vermeidet.
Deshalb ist es wichtig, nicht nur den Schuh zu betrachten, sondern auch die Fähigkeiten des Körpers.
Der Herbst zeigt uns, wie gut unser Körper reagieren kann
Vielleicht ist genau das das Spannende am Herbst:
Der Körper bekommt ständig neue Bewegungsaufgaben.
Eine Pfütze muss umgangen werden.
Ein nasses Blatt liegt auf dem Weg.
Eine Bordsteinkante ist rutschig.
Der Waldweg wird uneben.
Eine Treppe ist nass.
Solche Situationen verlangen Gleichgewicht, Koordination, Reaktionsfähigkeit und eine gute Anpassung der Bewegung.
Bei Kindern sind diese Fähigkeiten noch in Entwicklung.
Bei Erwachsenen können sie durch Verletzungen, Bewegungsmangel, Schmerzen oder zunehmendes Alter verändert sein.
Aber Fähigkeiten sind nicht einfach „da“ oder „weg“.
Viele davon können gezielt trainiert werden.
Was kann Physiotherapie damit zu tun haben?
Physiotherapie setzt nicht erst dann an, wenn etwas weh tut.
Sie kann auch dabei helfen, Bewegungen sicherer, koordinierter und alltagstauglicher zu machen.
Bei Kindern kann beispielsweise die motorische Entwicklung unterstützt werden, wenn Gleichgewicht, Koordination, Kraft oder Bewegungsabläufe Schwierigkeiten bereiten.
Bei Erwachsenen können unter anderem folgende Bereiche im Mittelpunkt stehen:
– Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit
– Fuß- und Beinkraft
– Beweglichkeit
– Koordination
– Gangbild
– Stabilität nach Verletzungen
– sicheres Gehen auf unterschiedlichen Untergründen
– Sturzprävention
Dabei geht es nicht darum, den „perfekten“ Bewegungsablauf zu erzwingen.
Viel wichtiger ist, dass der Körper wieder möglichst gut auf unterschiedliche Situationen reagieren kann.
Und manchmal lohnt sich auch ein Blick auf den Schuh selbst
Nicht jeder Schuh passt zu jedem Fuß und nicht jeder Schuh ist für jede Aktivität gedacht.
Ein Gummistiefel hat andere Aufgaben als ein Laufschuh.
Ein Alltagsschuh andere als ein Wanderschuh.
Entscheidend ist deshalb immer die Kombination aus Schuh, Aktivität, Untergrund und den individuellen körperlichen Voraussetzungen.
Ein guter Wanderschuh kann auf einem langen Waldweg sinnvoll sein.
Ein leichter, flexibler Schuh kann für andere Alltagssituationen angenehmer sein.
Und bei Kindern sollte zusätzlich berücksichtigt werden, dass Füße und Bewegungsapparat noch wachsen und sich entwickeln.

Herbstbewegung darf Spaß machen
Bei aller Theorie sollte eines nicht vergessen werden:
Bewegung muss nicht immer Training heißen.
Kinder dürfen durch Pfützen laufen, über Laub springen und unterschiedliche Untergründe ausprobieren.
Erwachsene dürfen Spaziergänge machen, wandern, Rad fahren oder einfach den Herbst draußen genießen.
Genau diese unterschiedlichen Erfahrungen geben unserem Körper die Möglichkeit, Bewegungen immer wieder anzupassen.
Der Herbst ist deshalb nicht nur eine Jahreszeit mit anderem Schuhwerk. Er ist auch eine Jahreszeit mit anderen Bewegungsanforderungen.
Wie wir Kinder und Erwachsene unterstützen
Bei Physio für Klein, Mittel und Groß betrachten wir Bewegung ganzheitlich.
Bei Kindern schauen wir unter anderem auf motorische Entwicklung, Koordination, Gleichgewicht, Kraft und Bewegungsqualität.
Bei Erwachsenen können beispielsweise Schmerzen, Beweglichkeit, Kraft, Gleichgewicht, Gangbild oder die Folgen einer Verletzung im Mittelpunkt stehen.
Unser Ziel ist dabei immer, Bewegung möglichst sicher und alltagstauglich zu machen.
Denn ob Gummistiefel, Alltagsschuh oder Wanderschuh:
Am Ende soll nicht der Schuh bestimmen, was Ihr Körper kann – sondern Ihr Körper möglichst gut mit den Anforderungen des Alltags umgehen können.
Physio für Klein, Mittel und Groß
Auch Haus- und Heimbesuche sind möglich, wenn der Weg in die Praxis aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht möglich ist.
Erfahren Sie hier mehr über unsere Praxisgemeinschaft Impuls Graz.
